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Mit Schirm, Charme und Klavier - Rike verzauberte ihre Zuhörer. Photo: N.Oppelt
Dank vier junger Künstler zog am vergangenen Freitag Wohnzimmer-Atmosphäre ins Wasserhaus ein
Spontaneität ist bekanntlich nicht Jedermanns Sache - die der Musikinitiative Hammelburg e.V. allerdings schon. Der von langer Hand geplante Unplugged-Abend mit dem ehemaligen Würzburger Spaceman Spiff samt des Gemündeners Andreas Kümmert erfuhr mit der Hammelburger Formation "Happy Tragedy" samt der ebenfalls in Würzburg wohnhaften Henrike Kinnemann gleich zwei unerwartete Zugänge. Doch das kurzfristig neu geschnürte Gesamtpaket, das der “Weltraummann” krankheitsbedingt nur aus dem Zuschauerraum verfolgen konnte, überzeugte auf Anhieb.
So manch Augenpaar war geschlossen. Entspannt lehnten sich die zahlreichen Gäste zurück. Sanfter Kerzenschein durchströmte das Wasserhaus. Fürwahr, das, was das Team an diesem Abend auf die Beine gestellt hatte, verdiente durchwegs das Prädikat: Willkommen in unserer Wohnzimmer-Atmosphäre. Akustische Gitarrenklänge füllten den Raum, wohlige Sounds einer Clavinova breiteten sich aus, getragen von Stimmen, die alles von zart bis stark aufzubieten vermochten. “Unplugged!… aber kein bisschen leise” war das, was das Publikum da in stilistisch Varianten reicher Manier geboten bekam. Schwer bis gar unmöglich erschien es ihnen da den Favoriten der Veranstaltung auszumachen.
Auch als Duo hörenswert - “Happy Tragedy”. Photo: N. Oppelt Den unverhofften Auftakt – sie erfuhren erst knapp 72 Stunden vorher von ihrem Auftritt – gaben “Happy Tragedy”. Die eigentlich als Trio agierende Truppe, bestehend aus Schlagzeug, Bass und Akustikgitarre, stand nun in Form von Anja Kullmann nebst Marcel Mutschke auf der Clubbühne. Die erst seit Oktober 2008 aktive Band, die momentan noch einen Gitarristen als Verstärkung sucht, war einigen schon von ihrem ersten Abstecher im Wasserhaus im letzten Dezember bekannt. Am vergangenen Wochenende überzeugten die angetretenen Akteure mit durchwegs eigenen Songs wie “Waiting for some help” oder auch “Catch me”, die bunt gemischten Zuschauerreihen. “Noch heute morgen haben wir geübt”, gesteht Anja Kullmann, die selbst erst seit drei Monaten Gitarre spielt, schmunzelnd. Ihre klare und doch eigenwillige Stimmfarbe ließ so manch kleinen Ausrutscher verzeihen und unterstrich gekonnt das kompositorische Talent der jungen Formation. Rike – das charmante Mädchen von Nebenan
Gleiches mochte auch für die zweite junge Dame im Bunde gelten. Henrike Kinnemann erfuhr wie ihre Vorgänger ebenfalls erst zu Wochenbeginn von ihrem Engagement und auch sie hatte das Wasserhaus sofort auf ihrer Seite. Die eigentlich aus Magdeburg stammende Musikpädagogik-Studentin hatte schon im Vorfeld verraten: “Mein Set wird einen roten Faden haben.” Eingehalten hat sie diesen bis ins Letzte. Einzig vom Klavier unterstützt, gab die 22-Jährige so manchen Einblick in ihr privates Umfeld, das sie, wie sie selbst gesteht, vor allen Dingen zum Schreiben ihrer Lieder, inspiriert. Spätestens nach wenigen Minuten wussten die Anwesenden Bescheid: Rike, war nicht nur unglücklich verliebt, machte die Nacht zum Tage, sondern hat auch viele Jahre bei ihrer Tante zugebracht, in deren Haushalt sich auch ein ganz besonderes männliches Exemplar befand. Mit viel Charme und einem bestechend offenen Wesen gelang es ihr, dass viele sie gerne ein Stück weit auf ihrem Weg begleiteten. Und am Ende ihres Spiels schien klar: Rike, dieses Mädchen von Nebenan, kennen wir nun ein bisschen besser. Eine gespaltene Persönlichkeit, wie ihr einst ein Professor diagnostizierte, konnte ihr aufgrund der gemeinsam verbrachten Zeit ganz und gar nicht bescheinigt werden. Gänsehaut garantiert!
Stimmgewaltiger Headliner des Abends: Andreas Kümmert mit seinem Blues lastigen Repertoire. Photo: N. Oppelt Dritter und mit Abstand lautester im Vierer-Reigen war Andreas Kümmert. Der erst Anfang 20-jährige junge Mann, der einigen Gästen ebenfalls durch den letzten Unplugged-Abend Ende 2008 bekannt war, grüßte seine Zuhörer mit so manchem Klassiker der Rock-Geschichte. Mit seinem Blues lastigen Repertoire zog er von der ersten Minute an in seinen Bann und sorgte fortan für garantierte Gänsehaut. “Unglaublich, welche Gewalt aus so einem unscheinbaren Typen heraus kommen kann”, war aus dem Zuschauerraum ein ums andere Mal zu vernehmen. Und in der Tat: Seinem zu Beginn geäußerten Anliegen, den Abend “mit Musik zu verschönern”, kam der Gewinner des diesjährigen “Grand Prix de la chanson de Penivision” mit voller Wucht nach. Er “hat die Gabe einer begnadeten Stimme und stellte dies mit Liedern unter Beweis, die im Original nicht unbedingt besser klingen”, urteilte erst kürzlich Ali Parvin Hosseini aus Darmstadt. Bob Dylans “Knockin’ on Heaven’s Door”, Ray Charles’ “Got a Woman” oder Elton Johns “Rocket Man” unterstrichen diese Betrachtung auch in Hammelburg in vollem Maße. Der begeisterte Stones-Hörer, der sich beim eigenen Songwriting gerne auch mal von Nirvana oder Silverchair beeinflussen lässt, konnte jedoch nicht nur auf die “harte Tour”. “Ich setze mich in meinen Songs hauptsächlich mit persönlichen Emotions-Strukturen auseinander, versuche sie metaphorisch zu umschreiben”, betonte er nachdrücklich. Eingängige Lovesongs sind das Ergebnis, die das gesamte Wasserhaus in einen heimeligen Rausch versetzten bis die letzten Kerzen verloschen waren. Text: Nicole Oppelt/Sandra Schmelz
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