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Gung Fu: Ihrem Auftritt fieberten viele Musikfans der Region entgegen. Photo: Spotshot Photographix Am letzten Samstag lud die Musikini zur großen Kolpinheim-Abschieds-Party
Bei manchem Gast schlug der Puls wohl schon Tage vor der Veranstaltung höher. Immerhin: 23 Jahre waren seit den Anfängen der Musikinitiative Hammelburg e.V. vergangen. Lange Zeit gehörte das Kolpingheim im Stadtzentrum zu ihrer Geschichte. Nun sollte alles vorbei sein. Die Botschaft war eindeutig: “Das Beste zum Schluss“, hatten die Organisatoren zum Ende dieser Ära angekündigt. Bevor die Abrissbagger anrücken würden, sollten noch einmal aktuelle Talente wie Black Petty, Mustache Madness, Other Generation’s Anthem, Ghostbastärtz, Inwastement und Europanic, neben den ehemaligen Größen Gung Fu, Orange Pekoe und The Diapers stehen. Dabei herausgekommen ist ein grandioses Abschiedsfest, das sich ebenso wie die vielen vergangenen Partys tief ins Gedächtnis der Akteure, aber auch der Gäste, eingraben wird. “Im Kolpingheim habe ich einen Großteil meiner Jugend verbracht”, verrät einer der mehreren hundert Besucher. “Ich habe hier meinen allerersten Tanzkurs gemacht”, erzählt ein anderer. Gemeinsam mit Musikfans, die sich noch gut an längst vergangene, “legendäre Nächte” erinnern konnten, riefen die heutigen Wasserhaus-Besucher ein Lebewohl in die jetzt verwaisten Hallen. Die Freude über die “Wiedervereinigung” alter “Helden” mischte sich jedoch mit Melancholie über das baldige Ende des rund 50 Jahre alten Baus.
Auch bei “Youngsters” wie den Ghostbastärtz war das Publikum voll bei der Sache. Photo: N. Oppelt Und so wurden in den letzten verbleibenden Stunden viele Erinnerungen wieder lebendig: Ehen nahmen hier ihren Anfang, erste Erfahrungen auf diversen Gebieten wurden gesammelt und Freundschaften fürs Leben geschlossen. Manch Begebenheit ist bis heute präsent als wäre sie erst gestern gewesen. Auch musikalisch wurden im kleinen Saal des Kolpingheims Meilensteine gesetzt. Denn in diesem Gemäuer haben die älteren unter den Gästen “ihre” Bands kennen gelernt, von denen einige seit mehr als zehn Jahren nicht mehr zusammen gespielt hatten. “Freude, einfach nochmal genießen und auf sich wirken lassen”, so also der Plan der teils weit gereisten Fans. Von Paris bis Hamburg reichten die zu überwindenden Distanzen. Gelohnt hatte sich dieser Aufwand auf jeden Fall. Die “Youngsters” überzeugten durch solides Können und die “alten Hasen” bewiesen erneut: Sie haben noch nichts von ihrem Handwerk verlernt. So bestimmten strahlende Augen, glühende Gesichter und Rufe nach “Wiedervereinigungen” das Bild vor der Bühne. Vom Schuljungen zum gestandenen Erwachsenen
Hatten während ihrer kurzzeitigen “Wiedervereinigung” sichtlich Spaß. Photo: N. Oppelt Aber was hat sich hinter den Kulissen getan? Was ist nicht nur aus den Musikfreunden, sondern vor allem aus den ehemaligen Bands geworden? Waren sie wirklich so lange Zeit getrennt? Nein, könnte der Außenstehende versucht sein zu antworten. Nicht nur ihr Zusammenspiel, auch ihr fröhliches Miteinander vermittelte den Eindruck, sie hätten sich erst gestern zur letzten Probe eingefunden. Dass dem jedoch nicht so war, bewiesen ihre zahlreichen Geschichten. Erst acht Monate sind etwa seit der Trennung von Gung Fu vergangen. Einige haben mittlerweile ein Studium in nahe gelegenen Städten aufgenommen, andere haben gänzlich neue Wege eingeschlagen. Gitarrist Hannes Wittmer zum Beispiel ist seit geraumer Zeit als Solokünstler Spaceman Spiff unterwegs. Der Vollblutmusiker will die Welt nun aus dem fernen Hamburg erobern. Der Rest schmiedet derweil neue Pläne und wer weiß, vielleicht ist schon bald vom einen oder anderen erneut zu hören. Ähnlich gestaltete sich die Situation auch bei Orange Pekoe. Vier Jahre haben sie nicht mehr gemeinsam auf einer Bühne gestanden. Zwar sehen sich die ehemaligen Bandmitglieder noch des Öfteren, dennoch war dieser Auftritt etwas ganz Besonderes, gaben sie im Nachhinein zu verstehen. Andere Projekte verliefen zwischenzeitlich im Sand oder entstanden erst gar nicht. „Ich bin zum Heimrocker avanciert“, gestand etwa Gitarrist Radomir Wrobel schmunzelnd. „Es ist aber fasst wie Fahrradfahren“, fügte er hinzu. So etwas verlerne man einfach nicht. Und Sänger Andre Szag ergänzte: „Wenn man mal eine Band hat, bei der alles passt, dann hängt man daran.“ Es sei jedoch beruhigend, dass man sich nach so langer Zeit wieder so zusammenfinde und etwas auf die Beine stelle.
Sie hatten die längste Pause. The Diapers rund um Frontfrau Tina ließen ihren Drummer extra aus Paris “einfliegen”. Photo: Spotshot Photographix Der letzte von insgesamt neun Acts stellte an diesem Abend auch den Rekord auf. Ganze elf Jahre sind seit dem letzten gemeinsamen Gig von The Diapers vergangen. Viel haben sie seitdem erlebt, in anderen Projekten mitgewirkt, völlig neue Stilrichtungen ausprobiert oder sind gar ausgewandert. Aus der ehemaligen Schulband sind mittlerweile gestanden Erwachsene geworden. Fast alle haben sie Familie und leben nun ein völlig anderes Leben. Doch so gut wie keiner scheint den Draht zum neuen Domizil gänzlich verloren zu haben. Das Lachen überwog und neue Pläne wurden geschmiedet Kann das im Jahr 2004 bezogene Wasserhaus mit dem Kolpingheim mithalten? „Ja, auf jeden Fall!“, waren sie sich sicher. Denn in Sachen „Ausstattung“ stünde das Anwesen vor den Toren der Stadt dem alten Bau in nichts nach. Ganz im Gegenteil. Und so überwogen am Ende wohl die lachenden die weinenden Augen. Bis in die frühen Morgenstunden haben sie gefeiert, Telefonnummern ausgetauscht und so manch neuen Plan geschmiedet. Mitte August werden die Türen jedoch wirklich zum allerletzten Mal ins Schloss fallen. Der Abriss ist definitiv. Das Kolpingheim muss einem neuen Pfarrheim weichen. Hier ist eine Reunion ausgeschlossen. Wie es um den ein oder anderen Musiker steht, das sei an dieser Stelle offen gelassen. Nur eines sei verraten: Lust haben einige wieder bekommen… Text: N. Oppelt/S. Schmelz Visuelle Eindrücke des rauschenden Festes gibt es hier.
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