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Eiskalt erwischt, aber heiß gefeiert PDF Drucken E-Mail

 

Das Team der Musikinitiative Hammelburg e.V. hat sich von Tief “Daisy” nicht aus dem Konzept bringen lassen.

 

 

 

“Die weiße Angst” nannte es eine große deutsche Boulevardzeitung am vergangenen Wochenende. Beeindrucken ließen sich die ehrenamtlichen Helfer der Musikinitiative davon nicht. Nachdem ein von langer Hand geplantes Konzert mit der bekannten Hamburger Band “Montreal” und den Kölnern “Mofa” wegen dichten Schneetreibens kurzfristig ausfallen musste, zogen die Verantwortlichen spontan alle Register. Das Ergebnis: mit der Wasserhausband “RMS" und den Schweinfurtern [cerpin.taxt] wurde der Abend doch noch zu einem großen Erfolg.

 

 

Bis zum Samstagvormittag hatte Christoph Dennstädt gehofft und gebangt. Unzählige Telefonate wurden geführt. Immer wieder gab es Neuigkeiten, nachdem sich die Bands mit den hiesigen Behörden verständigt und bis um vier Uhr morgens den Wetterbericht verfolgt hatten. Verschiedene Szenarien wurden durchgespielt – Zug, mehrere Fahrzeuge, Anreise ohne Equipment. Das Wechselbad der Gefühle nahm kein Ende. Letztlich mussten sich die Künstler den Naturgewalten beugen und ein Plan B zum Zuge kommen. Wie der allerdings im Detail aussehen sollte, das war selbst dem Organisator zunächst nicht ganz klar. Eine neuerliche Telefonrunde begann, die sich im Laufe des Nachmittags auch ihren Weg ins Internet bahnte. Teamarbeit war angesagt, um den Gästen, die sich teils schon lange auf diesen Abend gefreut hatten, doch noch ein ordentliches Programm bieten zu können. Binnen weniger Stunden war dann alles klar: Neben dem ohnehin geplanten Auftritt von „RMS“ sollte [cerpin.taxt] aus der nahen Industriestadt einspringen.

 

 

Alle Kanäle wurden genutzt

 

 

 

[cerpin.taxt] konnten trotz kleinerer Pannen während der Show ein gelungenes Debüt in Hammelburg abliefern. Photo: RE on Tour

 

Eine Notlösung? Weit gefehlt: Kaum einer hatte nach dem bedauerlichen Ausfall mit großer Resonanz gerechnet. Noch am Nachmittag wurden die Fans über verschiedene Kanäle wie Homepage, StudiVZ und Myspace informiert und das Trostpflaster angekündigt. Als sich dann schließlich am Abend die Türen des Wasserhauses öffneten, staunten Dennstädt und Co. nicht schlecht. “Daisy” und ihren Auswirkungen trotzend hatte sich dennoch eine große Zahl unerschütterlicher Musikfreunde eingefunden. Und obwohl es die Musikinitiative eiskalt erwischte, wurde letztlich heiß gefeiert.

 

 

Von Anfang an herrschte eine rundum ausgelassene Stimmung. Viele schienen sichtlich froh, an diesem Samstagabend doch noch auf ihre Kosten zu kommen. Ganz gleich ob die Größen “Montreal” oder lokaler “Ersatz” - die Zuschauer waren mit Leib und Seele bei der Sache. Mit ihrem charismatischen Frontmann “Becki” konnten [cerpin.taxt] sicherlich auch in Hammelburg den ein oder anderen neuen Anhänger für sich gewinnen. In einer mitreißenden Bühnenshow pfefferten sie dem Publikum eine gekonnte Verbindung aus Post-Hardcore mit Indie-Elementen und deutschen Texten um die Ohren. Kurze Zeit später legten Raphael und David Breuning, Ismael Alcarcari sowie Colin Frank, der für Schlagzeuger Pascal Beck eingesprungen war, noch einen Zahn zu. Fast entstand der Eindruck als wolle die Menge gemeinsam mit den Musikern den Schneemassen vor der Türe eine noch größere “Menschenwand” entgegensetzen. Denn auf Kommando von Sänger und Gitarrist Ismael sollte eine so genannte “Wall of death” entstehen: Eine besondere Variante des Genre eigenen Tanzstiles “Pogo”, bei dem zwei Menschenreihen aufeinander zu stürmen. Gesagt, getan: das Vorhaben glückte und die Zuschauer gerieten außer Rand und Band.

 

 

Familiäres Ambiente und Top-Möglichkeiten für Nachwuchsbands

 

 

 

Ausgelassene Freude trotz wetterbedingter Absage. Die Zuschauer feierten sich warm. Photo: RE on Tour

 

 

 “Dank der modernen Technologie ist alles super gelaufen”, resümierte Colin Frank, der schließlich [cerpin.taxt] für das Wasserhaus verpflichten konnte, die Ereignisse des Tages. Diese haben nicht nur spontan den Weg nach Hammelburg gefunden, sondern darüber hinaus den kleinen Live-Club zum aller ersten Mal besucht. Neben Sänger “Becki”, waren auch seine Kollegen Joel, Julian, Jony und Robert sichtlich angetan. “Ich bin sehr überrascht vom Wasserhaus”, gab “Becki” stellvertretend für die gesamte Band zu Protokoll. “Das ist wirklich eine Top-Location hier”, zeigte er sich beeindruckt von der Ausstattung, dem familiären Ambiente und den damit einhergehenden Möglichkeiten für Nachwuchsmusiker. Dieser Eindruck setzte sich nicht nur im Laufe der Veranstaltung fort, sondern wurde den Wasserhaus-Mitgliedern auch aus der Ferne zugetragen. „Besten Dank an das Musikini Team für den Service mit der Benachrichtigung per E-Mail“, ließ ein „Montreal“-Fan die Organisatoren wissen. “Viel Spaß heute Abend und Danke für die nette Kommunikation”, lobte ein anderer.

 

 

“Bayern trotzt Daisy”, meldete nur einen Tag später der Bayerische Rundfunk. Ob auch sie inzwischen von dem schweißtreibenden Engagement in Hammelburg erfahren hatten? Wer weiß. Eines ist jedoch gewiss. Einmal mehr haben diese jungen Leute bewiesen, dass sie binnen kürzester Zeit viel bewegen können. “Es gibt einen Nachholtermin”, stellte Dennstädt noch in der selben Nacht in Aussicht. Die Hoffnungen der Montreal- und Mofa-Fans müssten auf keinen Fall beerdigt werden. Das genaue Datum wird definitiv rechtzeitig bekannt gegeben.

 

 

Text: Sandra Schmelz, Florian Brell, Julian Warmuth, Nicole Oppelt