Heimspiel 2014: Innovativ, (nicht immer) konsequent, aber charmant Drucken

Fünf Musikinibands empfahlen sich am Samstagabend mit so manchem stilistischen Drahtseilakt

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Kreischen, tanzen, wehende Mähnen – Publikum unterschiedlichster Couleur kam beim „Heimspiel“ auf seine Kosten.

Kreischen, tanzen, wehende Mähnen – Publikum unterschiedlichster Couleur kam beim „Heimspiel“ auf seine Kosten.

 

Für die Musikinitiative Hammelburg e.V. gehört das seit Jahren zum guten Ton: Zu Anfang einer jeden Saison präsentieren sich die hauseigenen Formationen dem Publikum der Region. Bereits zum vierten Mal wurde das kunterbunte Spektakel nun mit einem Wettbewerb verbunden. An diesem Samstag stellten sich gleich fünf Bands der Herausforderung. Unter den wachsamen Augen der Fachjury und dem äußerst zahlreich erschienenen Publikum bewiesen sie, dass sie auch in anderen musikalischen Spielarten bestehen können.

 

Zugegeben, die Klänge, die am Wochenende im Wasserhaus der Musikinitiative Hammelburg e.V. zu hören waren, kamen für den ein oder anderen Gast sicherlich etwas ungewohnt daher. Die  Hammelburger Bands „Illustrators“, „Vehemenz“ und „Henfald“, samt „The Poor Devils“ aus Untererthal sowie „Häxan“ aus Würzburg haben ihren Einstand ins Jahr 2014 mit einem ordentlichen „Wums“ begangen. Und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Über drei Stunden boten die jungen Leute unter der Federführung von Moderator Dominic Miller eine explosive Mischung aus Electrorock, Punkrock, Depressive Black Metal und Black Metal, die allerdings auch in diesem Jahr mit einer möglichst Genre fremden Cover-Nummer gekrönt werden musste. 
Neben ihrem angestammten Repertoire galt es etwa für die „Illustrators“ Imagine Dragons' „Radioactive“ auf ihre ganz eigene Art zu interpretieren. Für die „Poor Devils“ stand Macklemores „Can't hold us“ auf dem Programm. „Häxan“ mussten sich an CCRs „Bad moon rising“ heranwagen. Nicht minder spannend gestaltete sich die Aufgabe für „Henfald“, die mit Katy Perrys Hit „Roar“ ebenso weit weg von ihren sonstigen musikalischen Vorlieben agierten, wie „Vehemenz“, die Miley Cyrus' „Wrecking Ball“ zum Besten gaben. 

 

1. Platz: Die „Illustrators“ lieferten ein ordentliches Kontrastprogramm. Mit im Gepäck hatten die Jungs ihre gerade erschienene EP „Cut it out“. Obschon ihr Cover nah an ihrem angestammten Genre ist, haben auch sie sich kreativ gezeigt und viel Eigenes in den Song gepackt.

1. Platz: Die „Illustrators“ lieferten ein ordentliches Kontrastprogramm. Mit im Gepäck hatten die Jungs ihre gerade erschienene EP „Cut it out“. Obschon ihr Cover nah an ihrem angestammten Genre ist, haben auch sie sich kreativ gezeigt und viel Eigenes in den Song gepackt.


Preise, die sich lohnen: RockCheck und fette Merchandise-Pakete

Für die Nachwuchskünstler ging es um viel. Gleich drei nicht unerhebliche Preise konnten diejenigen abstauben, die am Ende des Abends mit den besten Gesamtleistungen überzeugten. Im Verhältnis 40:60 votierten das Publikum und die Jury, bestehend aus Joachim Schulz (Tunefish Entertainment), Jürgen Daßing (Tonstudio Würzburg), Christian Stahl („... und ab geht die Lutzi!“) sowie Peter Kaiser (2. Vorstand Musikini), für ihre Favoriten. Die Nase vorn hatten schließlich die „Illustrators“, die sich für einen RockCheck-Gig im Wert von 250 Euro entschieden. Auf Platz zwei schafften es „Vehemenz“, die einen zweckgebundenen Gutschein in Höhe von 200 Euro von „Bizkuit Merchandise“ mit nach Hause nehmen konnten. Die Dritten auf dem Siegertreppchen waren schließlich „Poor Devils“, die ebenfalls einen zweckgebundenen Gutschein in Höhe von 100 Euro von „Bizkuit Merchandise“ ergattern konnten.

 

Platz 2: Black Metal mit künstlerischem Anspruch, das ist die Fahrtrichtung von „Vehemenz“. Ihr „Wrecking Ball“ sorgte im Publikum für echte Begeisterungsstürme – Zugaberufe inklusive.

Platz 2: Black Metal mit künstlerischem Anspruch, das ist die Fahrtrichtung von „Vehemenz“. Ihr „Wrecking Ball“ sorgte im Publikum für echte Begeisterungsstürme – Zugaberufe inklusive.


In Hammelburg gibt’s noch jede Menge Potential

„Jede Menge neue Gesichter, neue Bands. Es war sehr positiv“, fasst Jürgen Daßing seine Eindrücke zusammen. Nach seinem Jury-„Einstand“ anlässlich des „local heroes“-Landesfinales 2013 war er nun zum zweiten Mal als Experte im Wasserhaus gefragt. „Es gab ein paar innovative Sachen und ein paar weniger innovative. Insgesamt sind sie auf einem guten Weg“, so der Fachmann. Sein Ratschlag an alle Teilnehmer war einfach und ungeheuer schwer zugleich: „Ihr müsst einfach authentisch sein!“ Auf der Agenda sollte seiner Ansicht nach bei fast allen weiterhin das Thema Technik stehen.

 

Platz 3: Die „Poor Devils“ machten auch anlässlich des „Heimspiels“ ihrem Genre alle Ehre. Ihre Cover-Aufgabe lösten sie „elegant“ durch eine kleine Instrumentaleinlage.

Platz 3: Die „Poor Devils“ machten auch anlässlich des „Heimspiels“ ihrem Genre alle Ehre. Ihre Cover-Aufgabe lösten sie „elegant“ durch eine kleine Instrumentaleinlag


„Hauptsache Musik!“, lautete hingegen das Credo von Joachim Schulz. „Insofern haben alle eigentlich alles richtig gemacht.“ Der erfahrene Konzertveranstalter und Musiker sieht in Hammelburg noch jede Menge Potential. Das Niveau sei da gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger sei die Identifikation der jungen Leute mit dem, was sie täten. „Es gab echt gute Momente, wie ich finde.“ So hätten etwa die „Illustrators“ bereits ihren eigenen Ton gefunden. „Der steht und der funktioniert!“ Legt das Quartett noch beim Songwriting nach, dann werde das eine runde Sache. Angetan hatte es Schulz auch die Punkrock-Formation des Abends. „Das haben sie gelebt“, so sein Fazit. Auch hier würden kleine Änderungen die Band ein ganzes Stück nach vorne bringen. In Sachen Bühnenpräsenz und Outfit-Wahl gab es ebenfalls einen guten Tipp des „alten Hasen“. Gesichts- oder Körperbemalung hin oder her – so etwas müsse dann auch auf der Bühne „gelebt“ werden.


„Henfald“ traten als jüngste Band des Abends in den „Heimspiel“-Wettbewerb. Im Gedächtnis blieben sie nicht nur ob des „brachialen“ Organs von Frontmann Julian Ottenweller. An ihr Cover wagte sich die Truppe mit jeder Menge künstlerischem Spielraum und stellte am Ende eine ordentliche Eigentinterpretation von Katy Perrys Superhit auf die Beine.

„Henfald“ traten als jüngste Band des Abends in den „Heimspiel“-Wettbewerb. Im Gedächtnis blieben sie nicht nur ob des „brachialen“ Organs von Frontmann Julian Ottenweller. An ihr Cover wagte sich die Truppe mit jeder Menge künstlerischem Spielraum und stellte am Ende eine ordentliche Eigentinterpretation von Katy Perrys Superhit auf die Beine.


 

Im Wasserhaus ist noch viel Platz für Musiker-Nachwuchs

„Es war schön, mal wieder zu sehen, was das Wasserhaus an Bands zu bieten hat“, lautete das Resümee von Peter Kaiser, zweiter Vorstand der Musikini. „Das ist wirklich ein toller Auftakt für das Jahr, der diesmal auch außerordentlich gut besucht war.“ Besonders freuten sich Kaiser und seine Mannschaft über den Facettenreichtum auch vor der Bühne. So bunt wie selten gestalteten sich die Zuschauerreihen. Lob fand er natürlich auch für „seine“ Musiker und ihre kreative Umsetzung der Cover-Aufgaben. „Natürlich wünschen wir uns, dass die Genrevielfalt im Wasserhaus weiter zunimmt“, lädt Kaiser abschließend alle jungen Musiker ein, sich das Vereinsheim und seine Möglichkeiten doch einmal aus der Nähe anzusehen.
Der nächste Termin, seiner Einladung zu folgen, steht bereits am 28. Februar an. Unter dem Motto „Kindheitsträume“ begeht die Musikini in diesem Jahr ihren traditionellen Faschingszirkus. Kreative Kostüme auf jeden Fall erwünscht.

Die Black Metal-Crew „Häxan“ absolvierten am Samstag ihren ersten Auftritt im Wasserhaus. Besonders ins Auge stach ihre dämonisch anmutende Gesichtsbemalung. Ihr Cover absolvierten sie mit Bravour: Laut, brachial und düster.
Die Black Metal-Crew „Häxan“ absolvierten am Samstag ihren ersten Auftritt im Wasserhaus. Besonders ins Auge stach ihre dämonisch anmutende Gesichtsbemalung. Ihr Cover absolvierten sie mit Bravour: Laut, brachial und düster.