Ziele, Wünsche, Hoffnungen: Die Musikini feiert zehn Jahre Wasserhaus Drucken

Zum „Tanz in den Mai 2014“ zogen der Verein und seine Gäste eine durchaus positive Bilanz
Die Fuldaer Truppe "Mighty Vibez" hatte das Publikum von der ersten Minute an in Griff. (Foto: Musikini)

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Freunde treffen, in Erinnerungen schwelgen und Pläne für die Zukunft schmieden – der traditionelle „Tanz in den Mai“ stand in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen. Die Großveranstaltung zum Start in die warme Jahreszeit ist seit jeher ein fester Termin für Hammelburger und jene, die die Stadt bereits seit längerem verlassen haben. Diesmal konnten sie gemeinsam auf eine Dekade in den schmucken Vereinsräumen zurückblicken. Das Fazit: Das Wasserhaus ist eine echte Erfolgstory.

Doch es gibt noch viel zu tun. Die Organisatoren nutzten den ausgelassenen Abend für ein ausgiebiges Stimmungsbarometer. Woran erinnern sich die Gäste und Verantwortlichen besonders gern? Was hat ihnen sehr gut gefallen? Was wünschen sich sie für die kommenden zehn Jahre?

 


Die ehrenamtlichen Helfer sind geübt. Gemeinsam stemmen sie seit vielen Jahren erfolgreich Großveranstaltungen. (Foto: Musikini)

Nicht wenige erinnerten sich an einstige Mammutveranstaltungen wie die kultige „20-Stunden- Party“ zurück, die zuletzt vor bereits acht Jahren all jene mit ganz besonderem Durchhaltevermögen anzog. „So ein Event“, da waren sie sich einig, „das sollten wir ruhig wieder einführen.“ Ein Dauerbrenner ist nach wie vor die große X-Mas Party. „Mixed Pickles“ hat seinen Reiz alles andere als verloren. Bunt zusammengewürfelte Musikini-Bands, die bekannte Charthits und Klassiker zum Besten geben – darauf will auch künftig keiner verzichten. Im Gedächtnis geblieben ist den Befragten durchwegs auch die große Sause zum 25-jährigen Jubiläum der Musikini im Jahr 2011. So ein Open Air wie damals am Fuß von Schloss Saaleck, „das wär' schon mal wieder was!“ Das Publikum, so der Konsens, ist nach wie vor wunderbar bunt gemischt.

Alt und Jung können voneinander lernen

Vor allem die Älteren würden es jedoch gern sehen, wenn sich der Nachwuchs noch stärker als zuletzt sehen lässt und auch engagiert. Zurück wünschte sich so mancher auch die einstigen Kneipenabende, die jeweils mittwochs und samstags ins Wasserhaus lockten. „Das Wasserhaus als ausgewiesener Jugendtreff, auch, wenn mal kein Konzert ist, das wäre toll!“ Durch mehr Zusammenhalt und regelmäßigere Treffen, so die einhellige Meinung, würde auch in die Probenräume wieder mehr Vielfalt einziehen und so die ein ums andere Mal gewünschten zusätzlichen Veranstaltungen wieder besser umsetzbar werden. So manch Jugendlicher wiederum hegt einen ganz anderen, ambitionierten Wunsch: „Ich hätte gern ein Treffen aller ehemaligen Vorstandsmitglieder. Ich würde gern mal ihre Erfahrungen hören. Da kann man bestimmt noch einiges lernen.“ Lernen und Weiterentwicklung, das steht jedoch nicht nur auf der musikalischen Agenda. Ein Relaunch der Homepage, das ist in den Augen des ein oder anderen Gastes durchaus ein Projekt, was angegangen werden sollte.


Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat sich das Wasserhaus kontinuierlich weiterentwickelt. Die Gartenhütte für Außenveranstaltungen ist mittlerweile fester Bestandteil. (Foto: Musikini)

„Der Bau und die Politik, die wir damals betrieben haben, waren besonders schön“, erinnert sich hingegen ein einstiges Vorstandsmitglied an die Anfänge zurück. Im Stadtrat habe es einige Skeptiker gegeben. Doch mit geschlossener Tatkraft hätte man jene durch die Bank überzeugt – bis heute. „Die Musikini wurde tatsächlich unterschätzt. Zu Unrecht. Die Jugend beweist, dass sie etwas auf die Beine stellen kann.“ Die Erwartungen, so die Initiatoren von einst, hätten sich durchwegs erfüllt. Zwar gäbe es nach wie vor ein Auf und Ab, doch das sei in früheren Zeit ebenfalls der Fall gewesen. „Derzeit zeigt die Kurve wieder ganz klar nach oben!“ Nicht umsonst wurde der Verein erst Anfang des Jahres von der Stadt ausgezeichnet.

Das Wasserhaus ist eine echte Erfolgsstory

Dass diese Einschätzung zutrifft, wurde während der gesamten „Mai“-Veranstaltung deutlich. „Ich
gehe sehr gerne ins Wasserhaus!“, bekamen die Organisatoren nicht nur einmal zu hören. Ein paar Tipps für die nächsten Buchungen gab es da natürlich gleich obendrauf: Jamaram, Bagdad on the Dancefloor, My New Zoo, Die Tofu-Tigers, Ophelias Great Day, sind nur einige der genannten Formationen, die sich die Gäste auf der Wasserhaus-Bühne wünschen.

Und wie beurteilt die aktuelle Vorstandschaft das zurückliegende Treiben und das, was nun vor ihnen liegt? Die beiden Vorstände Daniel Wolf und Peter Kaiser sind sich zumindest in einem Punkt mehr als einig: Das Wasserhaus und die Musikini sind eine echte Erfolgsstory. „Das haben alle gehofft, aber ich glaube, kaum einer hat damit in diesem Ausmaß gerechnet“, freut sich Daniel Wolf. Besser hätte es nicht laufen können. „Konsequent gibt es hier hohe Qualität für kleines Geld“, ergänzt Kaiser das Erfolgsrezept der vergangenen zehn Jahre. Die Veranstaltungen würden mit viel Liebe organisiert und Künstler bewusst ausgewählt. Gerade in Discotheken, herrsche da eher Masse statt Klasse. Dort würden die Leute eigentlich nur hingehen, um sich zu treffen. Das wäre auch toll. Doch in der Musikini sorge man eben für „Mehrwert“.


Das Wasserhaus ist ein generationenübergreifender Treff: Die Euphorie bei den Gästen ist ungebrochen. (Foto: Musikini)

Derzeit hätte die Musikini jedoch die gleichen Probleme wie jeder andere Verein, so Wolf und Kaiser. Dringend müsse weiterer Nachwuchs her. Im Augenblick versuche man die „Durststrecke“ zu überbrücken, aber auch, sich neu aufzustellen. Man folge dem „Zeitgeist“ und passe sich entsprechend an. Unter anderem bedeute das aktuell die Aufnahme eines neuen regionalen Kultgetränks namens „Das Fränkische Energy“ sowie eine Zunahme von Veranstaltungen mit elektronischer Musik. Bestes Beispiel, wie hervorragend das ankomme, sei etwa das neue große Sommer-Event „Elotail“. Die in Kooperation mit dem hiesigen Fußballverein gestemmte Veranstaltung zog bei der Premiere 2013 Hunderte junge Leute zu Elektro und Cocktail in den Gartenbereich des Wasserhauses.

Vertrauensverhältnis zwischen Veranstaltern und Gästen

„Unser Publikum ist toll“, lautet das große Lob der Vorstände an ihre Gäste. „Wir haben hier nie Probleme. Man kann sich nicht mehr wünschen, als dass man die Türsteher, die man bezahlt, eigentlich gar nicht braucht“, sagt Wolf. Insgesamt herrsche ein absolut vertrauensvolles Verhältnis. Nach wie vor kenne man das Gros der Anwesenden persönlich.


Ein schöneres Geburtstagsgeschenk kann es nicht geben - Der "Mighty Vibez"-Sound ging sofort ins Bein. (Foto: Musikini)

Zufrieden zeigte sich am Ende dieses Abends auch die „Künstlerseite“. Die Fuldaer Band „Mighty Vibez“ sorgte bereits zum fünfjährigen Wasserhaus-Jubiläum für Stimmung. Schon damals konnte man gemeinsam mit der Musikini gleichzeitig auch das fünfjährige Bestehen der eigenen Band feiern. Ein wunderbarer Zufall. Zum „runden Geburtstag“ waren sie nun natürlich sehr gerne wieder in die Weinstadt gekommen, wo sie von vielen bekannten Gesichtern erwartet wurden. „Es ist super, wenn man merkt, dass die Leute tatsächlich die Texte mitsingen“, blicken sie auf den soeben absolvierten Gig zurück.

Seit dem fünften Wiegenfest habe sich bei ihnen einiges getan, resümmiert Paul Pawlowski, einer der „Mighty Vibez“-Frontmänner. „Wir haben damals super viele Konzerte gespielt. Wir waren jedes Wochenende unterwegs. 2009 war das Jahr, in dem unser vorletztes Album heraus gekommen ist. Eine Wahnsinns-Zeit.“ Danach hätten sie erst einmal etwas pausiert. Für viele sei es die Phase vor allem des privaten Umbruchs gewesen. Es wurde das Studium beendet und ein neuer Beruf angefangen, geheiratet, eine Familie gegründet oder sogar ein Haus gebaut. Danach habe man sich erst einmal neu sammeln müssen. Im August vergangenen Jahres sei dann die aktuelle Platte „Live! Love! Laugh!“ auf den Markt gekommen. Die Hammelburger, die sie seit dem Fünfjährigen nicht mehr gehört hätten, seien jetzt in den Genuss gekommen, eine „deutlich reifere Band“, als damals zu hören und zu sehen. „Wir sind musikalisch gewachsen. Der Sound und die Themen sind viel erwachsener. Wir sind insgesamt ruhiger geworden. Aber immer noch tanzbar!“ Sie seien nach wie vor eine Live-Band. Das sei ihnen immens wichtig.


Die Mischung macht's: Im Wasserhaus finden Musikfreunde aller Couleur zusammen. (Foto: Musikini)

Wie die Musikini, blickt die zehnköpfige Crew nun ebenfalls optimistisch in den Sommer. Zahlreiche Festivals stünden an. Und, für viele Fans wohl die zweite entscheidende Nachricht, schon demnächst gehe es an eine neue Platte. Für die Musikini und ihr Wasserhaus hatten sie natürlich ebenfalls die passenden Geburtstagswünsche im Gepäck. Vor sechs Jahre seien sie zum ersten Mal hier gewesen. Nach wie vor sei die Organisation hinter den Kulissen „wunderbar“ und die Stimmung vor der Bühne toll. In diesem Sinne: „Happy Birthday, Wasserhaus! Auf die nächsten Zehn. Wir kommen gerne wieder!“

Text: Nicole Oppelt