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„Klassentreffen“ im Wasserhaus PDF Drucken E-Mail

Die Musikini feierte ihren 30. Geburtstag mit einem rauschenden Generationen-Fest
„Nightmare“ sorgte am Samstag für einen legendären Auftritt. Derart laute Zugaberufe hatte das Wasserhaus schon lange nicht mehr gehört. (Foto: Musikini)
 

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„Weißt du noch?!“ Dieser Satz fiel am vergangenen Samstag in Hammelburg wohl so oft, wie schon lange nicht mehr. Aus der gesamten Republik und sogar aus dem Ausland waren Musiker und Gäste ins Vereinsheim der Musikinitiative Hammelburg e.V. geströmt, um gemeinsam die größte Party seit Jahren zu feiern. Die Begegnungen auf und vor der Open Air-Bühne waren teils hoch emotional. Für viele steht fest: Bis zum nächsten Wiedersehen soll es nicht lange dauern.

 


„La Confianza“ feierten anlässlich des Open Airs ihren gelungenen „Einstand“ im Musikini-Freundeskreis. (Foto: Musikini)

 

 

Am Anfang standen viele Telefonate, noch mehr Emails und unzählige zurückgelegte Schritte. Die Organisation eines solchen Geburtstags hatte es in sich. Welche Bands gab es nochmal? Wer war in den vergangenen 30 Jahren in der Vorstandschaft? Wer darf auf keinen Fall auf der Gästeliste fehlen? Monatelang wurde gegrübelt und in die Wege geleitet. Am vergangenen Samstag wurde den Hammelburgern nun das Ergebnis präsentiert. Insgesamt zwölf aktuelle und ehemalige Musikinibands sowie die drei Gast-Acts „La Confianza“, „Mighty Vibez“ und „WTK Mafia“ bescherten den mehreren hundert Besuchern einen ausgelassenen Nachmittag und eine unvergessliche Nacht.

 


Als wäre es nie anders gewesen: Die „Taschenrocker“ standen nach sieben Jahren erstmals wieder gemeinsam auf einer Bühne. (Foto: Musikini)

 

 

„Ich hab' mich am meisten auf die Taschenrocker gefreut!“, „Nightmare sind noch immer der Hammer!“, „Schön, mal wieder die Diapers live zu sehen!“, „Black River City Girls am Start. Ich hab' mich mega gefreut!“, „Runnin' Gun Blues – der Wahnsinn!“, „Es ist wie ein Klassentreffen heut'!“: Diese und viele ähnliche Sätze klangen denen im Ohr, die sich einige Zeit im großen Außenbereich des Wasserhauses aufhielten. Ein Highlight auszumachen, fiel den Geburtstagsgästen sichtlich schwer. Nicht wenige waren überrascht, den ein oder anderen Act tatsächlich nach teils vielen Jahren wieder auf der Bühne erleben zu dürfen. Und dann klappte das dicht gepackte Lineup auch noch „wie am Schnürchen“. Die Geburtstags-Musiker hatten sich ordentlich ins Zeug gelegt und waren im wahrsten Sinne des Wortes „mit Kind und Kegel“ im Wasserhaus „angerückt“. Ein ums andere Mal entstand der Eindruck, als hätten sie erst gestern zuletzt gemeinsam einen Gig absolviert. Ihre in manchen Fällen Jahrzehnte alten Setlists schienen ihnen in die DNA übergegangen zu sein. Nichts hatten sie verlernt. Die Leidenschaft, das merkte man schnell, brodelt bei allen noch immer in den Fingern und in den Kehlen.

 


„The Fitzz“ treffen immer noch den Nerv: „Das, was wir machen, ist absolut zeitlos“, so Frontmann Holger. (Foto: Musikini)

 

 

„Wir spielen immer noch genauso schlecht wie früher“

 

Aufregend war es für alle Beteiligten allemal. So mancher unter den Musikern hatte sein Instrument schon etwas länger nicht mehr in der Hand. Einzel- und Gemeinschaftsproben wurden angesetzt, noch einmal am Songmaterial gefeilt und am Ende, wie etwa „The Fitzz“, festgestellt: „Das klappt erstaunlich gut! Wir spielen immer noch genauso schlecht wie früher“, schmunzelt Frontmann Holger Schmitt-Pawlik. Für das Open Air haben sie bewusst ihre ältesten Songs von 1990 wieder ausgegraben. Und die passen auch mehr als 25 Jahre später in keine der gängigen Genre-Schubladen. Die Einladung zum Musikini-Geburtstag habe sie jetzt natürlich „angefitzzt“. Erste Anfragen für nächste Gigs habe es am Samstag bereits gegeben. „Ich denke, wir werden uns jetzt öfter mal wieder sehen“, kündigt der Sänger an. „Es war einfach gut, wieder einmal ungezwungen mit Freunden Musik zu machen.“

 


„Wenn man schon zehn Jahre nicht mehr gespielt hat, hat man auch keine Hornhaut mehr an den Fingern. Dann tut's von Lied zu Lied mehr weh“, scherzen die „Black River City Girls“. (Foto: Musikini)

 

 

Unterschreiben konnten das sicher auch die „Black River City Girls“ Kerstin Eusemann und Simone Hepp. Die beiden nahmen das Publikum schon am frühen Nachmittag mit auf ihre ganz persönliche Zeitreise. Da ging es zurück ins Jahr 2004 zum legendären Schweinfurter Liedermacherwettstreit um den „goldenen Penis“, aber auch „ganz nah“ an die Gegenwart heran mit ihrem „neuesten“ Stück, immerhin von 2011. Das Set war mit Bedacht ausgewählt, „Nostalgie“ ihr Motto der Stunde. „Das waren die Stücke, die uns am meisten am Herzen liegen“, so Kerstin Eusemann. Immer wieder begrüßen die jungen Frauen von der Bühne herunter einzelne auf den Platz strömende Gäste persönlich. Die Freude über das Wiedersehen stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch Simone Hepps vierjähriger Sohn Felix hatte als „Black River City Boy“ einen kurzen Gastauftritt auf die Bühne. Diese besondere Gelegenheit durfte er nicht verpassen. Immerhin: „Black River City Songs haben wir schon Jahre nicht mehr gespielt“, erzählt auch die Musikerin. „Das letzte Mal tatsächlich im Wasserhaus. Da mussten wir bei dem ein oder anderen schon überlegen.“

 


„Mustache Madness“ steigen auf die Bühne, als hätten sie gestern den letzten Gig absolviert. Die Musiker verstehen sich blind. (Foto: Musikini)

 

 

Die Lust an der Musik ist wieder da!

 

Groß war die Wiedersehensfreude natürlich auch bei „Mustache Madness“. „Es gab diese Momente, wo du auf einmal nicht mehr so richtig weißt, was du damals gespielt hast. Es sind ja doch schon ein paar Jahre her. Aber dann auf einmal geht die Hand automatisch auf den Ton und du denkst: 'Ja, natürlich. Genau so!“, lässt Mario Grosch die aktuellen Proben Revue passieren. „Man hat sich sehr in die alten Zeiten zurückversetzt gefühlt.“ Die eigene Lust am Bass spielen hätte sich bei ihm definitiv wieder eingestellt. Wichtig sei ihnen gewesen, auf jeden Fall die drei damals aufgenommenen Songs zu spielen, ergänzt Bandkollege Maximilian Fuß. Allesamt würden sie ihre Titel von einst immer noch mögen. Die seien einfach super und würden gut harmonieren, sind sie sich einig. Einige hätten es sogar ins Repertoire der aktuellen Musikini-Band „Illustrators“ geschafft, das wüssten viele gar nicht. „Wir haben während der Proben auf jeden Fall viel grinsen müssen. Es hat wirklich Spaß gemacht.“

 


Zurück zu den Anfängen im Jahr 2008: „Black Petty“ holten die Songs zurück auf die Bühne, die ihnen selbst am besten gefallen haben. (Foto: Musikini)

 

 

Apropos: Dauergrinsen – das war anlässlich des Musikini-Jubiläums definitiv der Job von „Black Petty“. 2009 standen sie zuletzt in Original-Besetzung auf der Bühne. Die Chemie zwischen den alten Bandkollegen samt dazugehöriger „Marotten“ hätte sich jedoch sofort wieder eingestellt, lachen Gitarristin Sandra Schmelz und Frontfrau Madlen Wittmann. Gefeilt hätten sie letztlich nur noch an Feinheiten, um am Ende ihr „Best of Black Petty“ auf die Bühne zu bringen. Besonders freuten sich die jungen Musiker über die große Reichweite, die das Open Air offensichtlich hatte. Die Anzahl der auswärtigen Kennzeichen rund um das Wasserhaus habe jedenfalls für sich gesprochen. Gefreut hätten sie sich auch darüber, so manche ehemalige Musikini-Band kennen zu lernen, die sie, natürlich altersbedingt, bislang nicht gekannt hätten.

 


„Das ist wie früher beim Castle Rock. Bestes Wetter und absolut entspannt“, freut sich eine Besucherin über die besondere Atmosphäre im Wasserhaus-Garten. (Foto: Musikini)

 

 

Schwelgen in Erinnerungen

 

Bestens bekannt waren und sind sich hingegen Sandra Prockl und Anita Sturm, die, wie es der schöne Zufall so wollte, an diesem Abend gemeinsam das Wasserhaus-Gelände betraten. Und zwar so, „als wäre es gestern zum letzten Mal gewesen“. Gemeinsam standen sie auch bis vor einigen Jahren mit ihrer Band „Gung Fu“ auf der Bühne und waren auch hinter den Kulissen des Vereins engagiert. Das Musikini-Jubiläum nutzten die beiden nun vor allem für eine ganz private „Reunion“. Während Sandra am späteren Abend noch mit „Nightmare“ zusammen auf der Bühne stand, nutzte Anita das Fest, um gemeinsam mit vielen Freunden und auch ehemaligen Bandkollegen, die in anderen Konstellationen auftraten, in Erinnerungen zu schwelgen. Selbst sei sie nicht mehr als Bassistin aktiv. Nun sei allerdings das Erlernen der Querflöte angesagt, wie die beiden sichtlich amüsiert verraten. Immerhin war dieses Instrument einst ebenfalls fester Bestandteil im „Gung Fu“-Repertoire.

 


„Runnin' Gun Blues“ sind sich sicher – wir bleiben am Ball. Der Wasserhaus-Auftritt ist der Startschuss in eine neue, gemeinsame Zukunft. (Foto: Musikini)

 

 

„Instrumenten-Jonglage“ betrieb übrigens auch Mathias George, der sowohl mit „Lay-Out“ als auch mit „Runnin' Gun Blues“ teilnahm. Der erfahrene Musiker vollzog im Laufe des Abends gleich mehrfache Wechsel und sei insbesondere vor seinem Auftritt mit „Runnin' Gun Blues“ wirklich angespannt gewesen. Denn: Bass spielen und singen – diese Personal bedingte Kombi war für ihn tatsächlich neu. Aus diesem Grund gab es auch, anders als vielleicht bei manch anderer Band des Abends, im Falle seiner beiden Truppen einiges im Vorfeld zu tun. Akribisch bereitete er die Sets vor. Via Internet gab es Material für die Kollegen. Schließlich wollte man zum 30. Geburtstag eine gute Figur abgeben. Mit Erfolg. „Wir haben wieder Blut geleckt“, freut sich der Musiker über die „Wiederbelebung“. „Lay-Out“, so verriet er schon jetzt, wolle auf jeden Fall wieder Songs aufnehmen und sich wieder öfter treffen. „Runnin' Gun Blues“ werde es vielleicht sogar das ein oder andere Mal live zu sehen geben. Federführend engagierte sich „George“ zudem beim Zusammentragen der ehemaligen Musikini-Formationen. Dass das in den meisten Fällen tatsächlich geklappt habe, sei einfach „der Hammer!“. Diese Leute alle wieder zu treffen, das sei ein „Wahnsinns-Spaß“.

 


Authentisch bis in die Haarspitzen: „Lay-Out“ lieferten am Samstag puren 80er Jahre Spaß ab. (Foto: Musikini)

 

 

„Illustrators“: musikalische Weiterentwicklung von „The Fitzz“

 

Den hatten offensichtlich auch „Nightmare“-Frontmann Klaus und seine Crew. Die Muskini-Kultband legte einen der humorvollsten und spontansten Auftritte des Open Airs hin und bewies ein weiteres Mal: Sie sind absolut für die Bühne gemacht. In Einzel- und schließlich zwei Gesamtproben hätten sie sich auf den Abend vorbereitet, erzählt der Sänger zu späterer Stunde. „Das sind alles Sachen, die Spaß machen und entsprechend schnell hat man sie auch wieder drauf“, bilanziert er die Erfahrungen der letzten Wochen. Die Freude an der Musik, die sei auf jeden Fall nach wie vor da. Gleiches gilt übrigens auch für das Zusammentreffen mit der ein oder anderen ehemaligen Band, wie zum Beispiel „The Fitzz“, die er persönlich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe. „Die waren für mich immer ein Kunstwerk. Das war Musik, Performance, alles zusammen.“ Freude habe er aber auch an den neuen Bands, wie etwa den „Illustrators“. „Sie sind für mich die logische musikalische Weiterentwicklung von The Fitzz.“ Auch „Black Petty“ höre er immer wieder gern. Das sei schließlich eine Rockband. Und Sandra Prockl sei für ihn „die beste Sängerin, die wir momentan hier haben“.

 


Die „Taschenrocker“ lieferten wie immer eine legendäre Live-Performance ab. (Foto: Musikini)

 

 

Kult, das waren auch die „Taschenrocker“. Nach sieben Jahren standen sie nun das erste Mal wieder gemeinsam auf einer Bühne. Die Proben im Vorfeld hätten sich besser angefühlt, als jemals zuvor, bilanziert Schlagzeuger „Purzel“. „Wir wussten nicht, was uns erwarten würde. Menschlich war es wie früher und musikalisch besser. Denn wir haben uns ja alle weiterentwickelt.“ Entsprechend groß war auch die Freude beim Publikum. „Hits“ wie „Kekse“, „Weiter“, „Allein zu zweit“, „Jamba“, „Mit dem Pinsel von Bob Ross“ schienen dem ein oder anderen noch deutlich im Ohr zu klingen. Er selbst habe sich natürlich auch auf die anderen Bands, vor allem aber auf die vielen Menschen hier in Hammelburg gefreut, die er teils schon lange nicht mehr gesehen hätte. „Es ist wie auf der X-Mas-Party, nur größer und wärmer.“ Gitarrist „Gö“ erging es ähnlich. Er habe sich auf der Bühne tatsächlich wieder jünger gefühlt, als er eigentlich sei. „Das war sensationell. Aber es sind ja auch großartige Typen“, lobt er seine einstigen Bandkollegen. „Ein wunderschöner One-Night-Stand.“ Das Wasserhaus besuche er mittlerweile nur noch selten. Wenn er dann aber da sei, wäre es wie „ein Stück nach Hause kommen“. Immerhin sei er mit der Musikini und dem Wasserhaus groß geworden und „unendlich dankbar“, dass es Bands wie etwa die „Diapers“ oder „Nightmare“ gegeben habe.

 


Die Fans der „ersten Stunde“ ließen es sich natürlich nicht nehmen, ihren Helden in Original-Bandshirts gegenüber zu treten. (Foto: Musikini)

 

 

Ausflug in die eigene Jugend

 

Thanni, zuständig für Bass und Saxophon, stand die Freude über den gelungenen Auftritt natürlich ebenfalls ins Gesicht geschrieben. „Das Wasserhaus ist halt einfach doch wie eine große Familie“, zieht er Bilanz. Er freue sich sehr, dass das Areal nach wie vor so gut in Schuss sei. Frontmann Hannes teilt die Begeisterung seiner Freunde. „Ich fand es sehr spannend, dass wir so schnell wieder in unseren 'Modus' hinein gekommen sind.“ Nicht nur musikalisch, auch die Scherze seien die gleichen wie früher gewesen. Für ihn als Musiker, der mittlerweile völlig andere Sachen mache, sei das hier, sprich „herum hüpfen und Lärm machen“, ein „schöner Ausflug“ gewesen. Die Entscheidung, beim Geburtags-Open-Air mitzuwirken, sei daher auch ohne zu zögern getroffen worden.

 


„The Diapers“ sorgten schon Wochen vor dem Open Air für Vorfreude unter den Fans, als sie ein altes Bandfoto noch einmal nachstellten. (Foto: Musikini)

 

 

Auch für „The Diapers“ war die Sache klar. Zuletzt standen sie 2009 beim letzten Fest im Kolpingheim gemeinsam auf der Bühne. Erst kurz vor dem Open Air konnten sich die Bandkollegen zu Proben treffen, reiste doch einer ihrer Ehemaligen direkt aus Frankreich an. Ihre Songs, davon konnten sie sich und auch das Publikum nicht zuletzt am Samstagabend überzeugen, haben sie „mit der Muttermilch“ aufgesogen. Eindeutiges Highlight war für sie daneben natürlich „Nightmare“. Aber auch „Runnin' Gun Blues“ sei „richtig geil“ gewesen. Tatsächlich sei es jedoch das Schönste, dass sich alle einmal wieder gesehen hätten. „Es war eben wie ein echtes Klassentreffen. Und eigentlich noch besser“, beschreiben auch sie den inspirierenden Geist, der über das Musikini-Gelände schwebte. Es sei toll, was hier geleistet werde. Zudem sei das Open Air eine sehr gute Gelegenheit, die Musikini in der Außenwahrnehmung zu stärken und zu zeigen, was hier wirklich gemacht werde. Und vor allem, auf welchem Niveau.

 


Ausgelassene und ansteckend gute Stimmung auch noch am späten Abend. (Foto: Musikini)

 

 

Euphorie, so der Eindruck, war das „Ton angebende“ Gefühl des Wochenendes: Viele, gerade von den Älteren, waren das erste Mal seit Jahren wieder im Wasserhaus. Teils seien die Bande zwar noch vorhanden, doch Familie und Beruf hätten mittlerweile Vorrang, berichteten die meisten ehemaligen Musiker am Rande des Festes. Umso wohlwollender waren nun die Reaktionen in Anbetracht des frisch renovierten Vereinsheims, aber vor allem der Arbeit der vergangenen Jahre.

 

„Nostalgische Wellen“ im Wasserhaus

 

Der einstige erste Vorsitzende Alexander Stolz, der vor, während und nach dem Einzug ins Wasserhaus die Geschicke der Musikini leitete, zeigte sich beeindruckt vom Geburtstagsfest. „Ich glaube, es sind alle Musikini-Generationen anwesend. Wahnsinn, wie viele Familien hier sind. Das ist wirklich toll“, so der heute dreifache Familienvater, der noch alle am Fest mitwirkenden Bands kenne. Fast zehn Jahre stand er an der Spitze des Vereins. Mit noch nicht einmal 20 Jahren hatte er damals das Ruder übernommen und so ebenfalls einen Generationswechsel eingeleitet. Gerne hätte er etwa auch „Skalamanda“ wieder gesehen, die zu seiner Zeit ihre „Hochphase“ erlebt hätten. Nach wie vor hänge er sehr am Wasserhaus und natürlich an der Musikini. Grundsätzlich sei er mit der aktuellen Arbeit „sehr zufrieden“. Selbstverständlich gebe es aber auch Dinge, die man selbst anders gemacht hätte. „Da braucht man eben die Coolness, um zu sagen: 'Lasst Sie mal machen!'“

 


Die „Neuen“: Die „Illustrators“ gehören aktuell zur ersten Garde der Musikinibands. (Foto: Musikini)

 

 

Nach wie vor mit viel Herzblut verfolgen auch Heide Gerlach-Hirt und Christof Hirt das Geschehen an der Ausfahrt Ost. Die allererste Vorsitzende der Musikini und ihr einstiger Nachfolger freuen sich über die Entwicklung, die der Verein in den vergangenen Dekaden gemacht hat. „Wir sind stolz auf Euch!“, lautete dann auch das kurze und bündige Lob der erfahrenen Vorstände. Keiner von beiden hätte geglaubt, dass die Musikini auch heute noch bestehen würde. „Unsere Anfänge waren schon sehr provinziell“, erinnert sie sich mit einem Augenzwinkern an die ursprüngliche Intention der Vereinsgründung – nämlich ein Open Air zu machen.

 

„Musiker sind die Coolsten!“

 

Wechselhafte Phasen, Zeiten, in denen das Geld knapp wurde und auch Nachwuchssorgen – all das hätten sie bereits in ihrer aktiven Zeit erlebt und später immer wieder beobachten können. Nicht selten hätte ein „Würschtl-Verkauf“ das Ruder noch einmal herum gerissen. Diese „Wellenbewegungen“, wie sie Christof Hirt nennt, kehrten immer wieder. Das sei völlig normal. Am vergangenen Wochenende stand für beide jedoch die „nostalgische Welle“ im Vordergrund. „Ich freue mich, dass ich so viele alte Leute wieder sehe“, so Heide Gerlach-Hirt, die das Geburtstagsfest gemeinsam mit ihrem Kinderkisten-Team um eine Kaffee- und Kuchenbar bereicherte. Ein „tränendes Auge“ sei allerdings auch dabei. Nicht nur sie dürfte an diesem Tag unter anderem an ihren vor einigen Jahren verstorbenen Mann Adrian gedacht haben, der sich ebenfalls sehr in der Musikini engagiert hatte. Oder aber an den einstigen „Haus- und Hof-Techniker“ Stephan Meurer, der trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen eine weite Fahrt auf sich genommen hatte, um den Geburtstag mit zu feiern.

 


Atmosphärisches Lichtspiel: „Godzilla was a friend of mine“ bezauberten das Publikum auch visuell. (Foto: Musikini)

 

 

„Ich finde es super, wie alles gelaufen ist“, so das Fazit von Gerlach-Hirt. Auch weiterhin sollte der Verein die jungen Leute einbinden. Sie rät den aktuellen Vorständen den Blick wieder mehr in Richtung der ansässigen Schulen zu richten. Nach Ansicht von Christof Hirt sollte auch das Thema „Vernetzung“ wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden. Der langjährige Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen e.V. (ABMI) plädiert für den Blick über den Tellerrand. Das Potential in Bayern sei schließlich riesengroß. Überhaupt würden mit dem seit 2004 bezogenen Wasserhaus, seiner Infrastruktur und den modernen Kommunikationsmöglichkeiten quasi ideale Bedingungen herrschen. Beide sind überzeugt: „Die Szene lebt und Musiker sind sowieso die Coolsten!“

 

„Ich finde es so geil, dass es die Musikinitiative gibt und dass sie weiterlebt“, sagt auch Gründungsmitglied Mathias George. „Wer hätte das vor 30 Jahren gedacht.“ „Ich habe so das Gefühl, es geht gerade wieder mehr hier“, ergänzt Holger Schmitt-Pawlik. „Und das ist auch gut so!“

 


„La Confianza“ lieferten eine wahnsinns Live-Show ab. (Foto: Musikini)

 

 

Spannende Mixturen und musikalische Experimente

 

Mit den Auftritten der Musikini-Bands war die Geburtstagsfeier natürlich noch lange nicht zu Ende. Den Schlusspunkt auf der Open-Air-Bühne bildete zu später Stunde eine echte Wasserhaus-Premiere. Mit viel Vorfreude im Gepäck reisten „La Confianza“ aus Selb nach Hammelburg. Das junge Quartett, das sich seine Sporen unter anderem bereits als Support der bekannten „Emil Bulls“ verdient hat, gab sich mit den „Taschenrockern“ die Klinke in die Hand. Und konnte das Publikum offenbar auch ohne „Heimvorteil“ für sich gewinnen. „Das war eine großartige Live-Show“, so das Urteil einer Zuschauerin. Vor allem Frontmann Pablo scheint es der ein oder anderen Dame angetan zu haben. Zu Recht, wie sich im Laufe ihres Auftritts zeigte. Mit viel Charisma und Entertainment-Qualitäten zog er die Gäste mit einer spannenden musikalischen Mixtur in den Bann, die sich wohl am besten als „Hiphop mit Erdbeben“ beschreiben lässt. Und so zeigte sich an diesem Abend ein weiteres Mal, dass Hammelburg durchaus offen für musikalische Experimente ist. Honoriert wurden „La Confianza“ am Ende mit viel Jubel und auch persönlichen Worten, die die Fans nach dem Auftritt an die vier Musiker richteten.

 


Die befreundete Fuldaer Band „Mighty Vibez“ krönten das Geburtstagsfest mit ihrem „Ständchen“ auf der Wasserhaus-Innenbühne. (Foto: Musikini)

 

 

Ein großes und vor allem herzliches Hallo gab es zum Geburtstag auch mit den „Mighty Vibez“ aus Fulda, die schon mehrmals in Hammelburg zu Gast waren. Die Runde um Frontmann Mishah ließ es sich nicht nehmen, schon zeitig vor ihrem Auftritt zu erscheinen. Schließlich wollten die Sieben schon vor der „eigenen Pflicht“ viel von der „Kür“ im Freien mitbekommen. Und so schafften sie es schließlich auch, die „positiven Vibez“ aus dem Garten mit hinein ins Wasserhaus zu tragen, wo sie den Startschuss für das „Late Night Special“ gaben. Ihre fröhlichen Reggae-Sounds flossen hier natürlich in das ein oder andere Tanzbein. Doch die „Mighty Vibez“ ließen auch aufhorchen. Denn neben gewohnten Tanz-Rhythmen gab es diesmal auch neue, ruhigere Klänge. Diese standen übrigens konträr zu dem, was die Musikini für die Nacht bereithielt. Mit dem Duo „WTK Mafia“ wagten die Organisatoren ein echtes Experiment. Mit Drum & Bass wurde der Genre-Fächer pünktlich zum 30. Geburtstag noch ein wenig weiter aufgespannt. Dj Zombie Turtle und Ratzo Mc lieferten ein starkes Set, das sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

 


Late Night Special: WTK lieferten spät in der Nacht mit Drum & Bass ein absolutes Novum im Wasserhaus. (Foto: Musikini)

 

 

 

 

Text: Nicole Oppelt
 
 

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