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"Hip Hop ist Kunst fürs Volk" PDF Drucken E-Mail

Die Bambägga haben es bewiesen: Hip Hop kann definitiv ganz anders sein als in den Medien dargestellt. Photo: N. Oppelt

 

Drei Combos sorgten am vergangenen Samstag mit “freshen Styles” für eine gelungene Wasserhaus-Premiere

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“Wer nicht wagt, der nicht gewinnt”, sagt ein altes Sprichwort. Am letzten Wochenende hat die Musikinitiative Hammelburg e.V. alles auf eine Karte gesetzt. Erstmals stand ein “Hip Hop Jam” im hauseigenen Fahrplan, der im Vorfeld für einige Skepsis innerhalb des Vereins sorgte. Würde dieses Genre ankommen? Sind die Bambägga, Mistaa & Quendolin Fender sowie Kronoflash in unserer Gegend überhaupt bekannt? Mit einem Wort: Ja. Das zahlreich erschienene Publikum ließ sich überzeugen – und zwar von der ersten bis zur letzten Minute.

 

“Fliegende Hände und wehende Shirts - angespornt durch phantasievolle Wortgebilde samt schlagkräftiger Beats”, so die Vorhersage der Organisatoren. Sie hatten sich die zu erwartende Szenerie bereits Wochen vorher farbenfroh ausgemalt. Ganz falsch waren sie damit, so stellte sich im Verlauf der Veranstaltung schnell heraus, gar nicht gelegen. Von Bad Königshofen bis Würzburg – die teils weitgereiste Gästeschar wurde sogleich in den Bann der “Vokabel-Akrobaten” gezogen und die Hände flogen in der Tat nicht nur einmal an diesem Abend schwungvoll in die Höhe. Der Feststellung von Mistaa alias Dominik Straub “Die Verzweifeltsten suchen sich einen Platz auf der Bühne, um lauter zu sein als die anderen – in der Regel sind das Hip Hopper”, setzten sie begeisterten Applaus und lautstarke Zugabe-Rufe entgegen. Nein, verzweifelt war hier sicherlich keiner. Vielmehr überrascht ob der hohen Qualität, die die einzelnen Künstler zu bieten hatten.

 

Den Auftakt der illustren Runde, die sich fortan zwischen Wohnzimmerlampe und bequemen Sesseln aufhalten durfte, bildeten die Bambägga. Die dreiköpfige Crew aus der oberfränkischen Weltkulturerbestadt Bamberg, die schon als Vorband der “Fantastischen Vier” auftreten durfte, lief sofort auf “Betriebstemperatur”. Jonas MC, der von Cony und DJ Mighty Mike unterstützt wurde, wandte sich umgehend ans Publikum und schmetterte sogleich die ersten “Ansagen” durch den Saal. “Erstmal alle Hände hoch”, forderte er auf und ab ging die Post. Mit Tracks wie “Nimm’s leicht”, “Ich weiß” oder auch temporeichen Freestyle-Einlagen versetzten sie ihre Zuhörer nicht nur in Schwingung, sondern veranlassten diese zu manch sportlicher Übung. Am Ende ihrer Performance, der sogar waschechte “Metal-Freaks” beiwohnten, überraschten sie auch mit lokalen Anspielungen. Da wurde kurzerhand eine “Wasserhaus-Hymne” gedichtet, das ausgeschenkte Bier zelebriert und bereits zu früherer Stunde der Schlachtruf des Abends festgelegt: “Hammelburg, das ist Partymusik. Hände in die Luft und die Arme zum Beat!”

 

“Absonderliche Geschichten” garniert mit Tee und Keksen

 

Mistaa & Quendolin Fender gingen die Sache sichtlich cool an. Photo: Spotshot Photographix

 

Sichtlich inspiriert durch die vorherrschende Wohnzimmeratmosphäre zeigte sich Mistaa. Das Licht erlosch, nur ein leises Klappern war zu vernehmen: Entspannt auf einem der Probenraumsessel thronend, ließ es sich der “Würzburger Kauz” bei Tee und Gebäck so richtig gut gehen. Der bekennende Asienfan, der erst seit kurzem von seinem letzten Nepal-Trip zurück ist, war die Ruhe selbst. Mit dem ebenfalls in der Würzburger Region sehr bekannten DJ und Mitbegründer des “BuntenUntergrunds”, Quendolin Fender an seiner Seite sorgte er eher für die ruhigeren Momente im sonst so energetischen Treiben. Der Weitgereiste hatte so manch “absonderliche Geschichte” im Gepäck. Poetisch verpackt und mit erstaunlich viel Emotionalität vorgetragen, entführte er seine Zuhörer in sein ganz eigenes kleines Universum – Gänsehaut vorprogrammiert. “Weißt du, manchmal geht man zu Hip Hop-Konzerten und bekommt Vatergefühle”, gab er sichtlich verschmitzt zu verstehen. Kein Wunder, dass er da auch entsprechende Ratschläge zu verteilen wusste: “Was, wenn es mit den Frauen nicht klappt? Ein Bier, ein Wodka”, und die Welt sei sicher wieder in Ordnung. Sprachs und begann im Anschluss sogleich die passende Grundlage in Form von Keksen im Publikum zu verteilen.

 

“Wir haben noch nie in einer so guten Location gespielt”, waren die Jungs von Kronoflash begeistert. Photo: red

 

Derart gestärkt konnte es dann auch Richtung Finale gehen. Lokalkolorit par excellence war kurz vor Mitternacht angesagt. Kronoflash aus der Nähe von Bad Kissingen betraten die Bühne und empfingen ihr “Volk” sogleich mit “Seid gegrüßt, ihr Freunde der Berge!”. Ganze 15 Titel gab die größte Truppe des “Hip Hop Jams” zum Besten. Egal ob mit “Nicht von dieser Welt”, “Mein Traum” oder dem Gassenhauer “Muggu Muggu”, die bekennenden Hans Söllner-Fans sorgten für einen gehörigen “Lyrischen Flaaaash”. Dicht gedrängt tanzten sich alle alten und neuen Anhänger dieses Genres in einen richtiggehenden Freudentaumel. Chiller, Kurtis und der Röder, die diesmal Unterstützung von Uni MC und DJ J1s aus der “Unterfrankenuntergrund-Familie” erhielten und auch von der befreundeten Lauertal Connection mächtig angefeuert wurden, wussten gekonnt auch den letzten Zweifler zu überzeugen. Vom spontanen Geburtstagsständchen bis hin zur Einstudierung einer perfekten Laola-Welle, hatten diese Herrschaften so ziemlich alles im Programm. “Leck’ mich am Arsch, mir läuft der Sabber scho’ widda runter”, entfuhr es den Akteuren in Anbetracht solcher Szenen. Denn vor ihnen wurde gehüpft, gesprungen und so gut wie jede Zeile von vorne bis hinten mitgesungen.

 

Durchdachte Texte – ausschließlich auf Deutsch

 

Das Publikum “gehorchte” aufs Wort. Photo: Spotshot Photographix

 

“Hip Hop, das ist Kunst fürs Volk. Dafür muss man nicht studiert haben”, so das Resümee von Kronoflash, dem sich wohl fast alle Besucher an diesem Abend anschließen konnten. Denn, Musik verbinde, waren sie sich einig – und zwar ganz gleich, welcher Richtung. “Die waren alle geil”, zog denn auch einer Bilanz. “Macht’s nochmal”, forderte ein anderer. Die Mischung aus treibenden Beats und durchdachten Texten, die ausschließlich auf Deutsch vorgetragen wurden, kam an. Viele neue Gesichter durfte die Musikini begrüßen und manch einer wagte sich anlässlich dieser Crews nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder in die Weinstadt. “Hier in der Gegend gibt es nicht wirklich eine Szene”, bedauerten Kronoflash, “dabei ist Hip Hop doch gerade schwer im Kommen.” Sie waren sich sicher: “Man muss das Ganze selbst in die Hand nehmen”. Im Wasserhaus ist das am 4. April 2009 geschehen und das Wagnis scheint sich gelohnt zu haben.

Text: N. Oppelt/S. Schmelz

 
 

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